José Carlos Conde, Verkehrspolizist: „Das passt nicht zusammen. Ich kann den Bildschirm im Auto berühren, aber nicht das Telefon.“

Seitdem das Mobiltelefon zu einer verlängerten Hand geworden ist und Nachrichten rund um die Uhr in Echtzeit eintreffen, nehmen die Ablenkungen beim Autofahren zu. Der Aufstieg des Instant Messaging geht mit einer besorgniserregenden Zunahme von Verkehrsunfällen einher, insbesondere auf konventionellen Straßen. Frontalzusammenstöße und das Abkommen von der Fahrbahn haben dort alarmierend zugenommen – ein Trend, der eindeutig auf Ablenkungen als eine der Hauptursachen hindeutet.
Die Generaldirektion für Verkehr (DGT) warnt schon seit einiger Zeit vor diesem Problem. Ablenkung ist bereits eine der Hauptursachen für Unfälle, und die Nutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt ist einer der häufigsten Faktoren. Daher wurden mit der Reform des Straßenverkehrsgesetzes die Strafen für die Nutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt verschärft. Dies führt zu einem Abzug von 6 Punkten im Führerschein (vorher 3 Punkte) und einer Geldstrafe von 200 Euro.

Die DGT (Generaldirektion für Verkehr) weist häufig darauf hin, dass die Nutzung eines Mobiltelefons während der Fahrt weiterhin strafbar ist. Vielen Autofahrern ist jedoch nicht immer klar, wo das Vergehen endet und der Verstoß beginnt. Warum darf man den Touchscreen des Autos berühren, aber nicht das Handy, selbst wenn es in einer Halterung steckt? Diese Frage taucht in den sozialen Medien und auf der Straße immer wieder auf.
Die Antwort lieferte José Carlos Conde, Leutnant und Leiter der Verkehrspolizei der Guardia Civil in Oviedo, in einem Interview, das der Forensiker Román Álvarez auf seinem TikTok-Konto veröffentlichte. Laut dem Beamten handelt es sich um einen schwer zu klärenden Widerspruch. „In neuen Fahrzeugen mit großen Touchscreens ist die Ablenkung sehr ähnlich wie bei der Nutzung eines Mobiltelefons.“
Dennoch ist er der Meinung, dass die Nutzung von Mobiltelefonen gefährlicher sei. „Sie lenkt uns mehr ab, als wenn wir das Radio lauter stellen oder die Temperatur der Klimaanlage ändern“, betont er.
Hinzu kommt ein weiteres Detail, das niemand übersieht: Mobiltelefone werden häufig zum Lesen von Nachrichten, zum Surfen in sozialen Medien oder zur Informationssuche genutzt. Dies erfordert mehr Aufmerksamkeit als das einfache Tippen auf eine Schaltfläche oder Wischen über einen im Fahrzeug integrierten Bildschirm. Zwar gibt es auch komplexe Touchscreens mit umfangreichen Menüs oder unintuitiver Steuerung, doch die entsprechenden Vorschriften müssen sich noch damit befassen.
Tatsächlich geht es nicht nur um Technologie, sondern auch um Gewohnheiten. Viele Autofahrer haben es sich zur Gewohnheit gemacht, während der Fahrt Nachrichten zu lesen oder zu schreiben, manchmal mit der Begründung, sie stünden an einer Ampel . Die DGT betont jedoch, dass auch dieses Verhalten strafbar sei. Das Fahrzeug müsse lediglich in Bewegung sein oder den Motor laufen lassen, damit Ablenkung als schweres Vergehen gilt.
Inzwischen gibt es in Europa erste Anzeichen dafür, dass sich dies ändern könnte. Euro NCAP, die Organisation, die die Sicherheit neuer Autos bewertet, hat bereits angekündigt, ab 2026 Modelle zu bestrafen, die keine physischen Bedienelemente für bestimmte Grundfunktionen haben.

Matthew Avery, Direktor für strategische Entwicklung bei Euro NCAP, sieht in der übermäßigen Nutzung von Touchscreens „ein Problem, das die gesamte Automobilindustrie betrifft“. Daher werden in den neuen Tests Fahrzeuge belohnt, die weiterhin über physische Bedienelemente verfügen, insbesondere für Hupe, Blinker , Warnblinkanlage, automatischen Notruf (eCall) und Scheibenwischer. Lautstärkeregelung und Klimaanlage, die ebenfalls für Diskussionen sorgen, bleiben vorerst außen vor. Die Botschaft ist jedoch klar: der Ruf nach intuitiverem Fahren und weniger Bildschirmabhängigkeit.
Euro NCAP begründet seine Entscheidung damit, dass man, wenn man den Blick auch nur für eine Sekunde von der Straße abwendet, insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten Dutzende von Metern blind zurücklegen kann, was zu einem Unfallrisiko führt. So legt man beispielsweise bei 30 km/h in einer Sekunde 8,3 Meter zurück, bei 50 km/h fast 14 Meter und bei 120 km/h mehr als 3 Meter.
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